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AI - EDITION BERLIN

Taketo Muroi - Afterimage 9

Taketo Muroi - Afterimage 9

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Technik: Promptography auf Hahnemühle Fine Art Papier
Bildgröße: 45 x 30 cm
Auflage: 3 + 1 A. P.
Jahr: 2025

Afterimage 9

Afterimage 9 verdichtet die zentralen Motive der Serie auf besonders stille, beinahe kontemplative Weise. Die zweigeteilte Bildstruktur ist klar erkennbar und wirkt hier weniger als Konfrontation, sondern als zeitliche Verschiebung ein und desselben Ortes. Beide Bildhälften zeigen eine spiegelnde Wasserfläche, in der sich Bäume und Himmel brechen – jedoch in unterschiedlichen Zuständen von Licht, Farbe und Wahrnehmung.

Die linke Seite erscheint gedämpft, nahezu entleert. Die Spiegelung ist trüb, grau, von einer leichten Unschärfe durchzogen. Der Baumstamm wirkt wie eine dunkle Achse, die das Bild vertikal durchschneidet und den Raum stabilisiert, fast wie ein meditativer Pol. Diese Bildhälfte evoziert einen Zustand des Rückzugs, des Innehaltens – eine Landschaft, die weniger gesehen als erinnert wird.

Demgegenüber steht die rechte Bildhälfte als intensivierte Wahrnehmung desselben Motivs. Farbe tritt hervor: Grün-, Blau- und Violetttöne durchziehen die Wasseroberfläche, Lichtreflexe scheinen sich zu bewegen, als sei das Bild selbst in einem Übergang begriffen. Die Spiegelung wird hier nicht klarer, sondern lebendiger – sie flimmert, verschiebt sich, löst feste Konturen auf.

In der Logik des japanischen Animismus lässt sich diese Zweiteilung als unterschiedliche Zustände derselben beseelten Landschaft lesen. Wasser, Baum und Licht besitzen kein festes Wesen, sondern verändern ihre Erscheinung je nach Blick, Zeit und innerer Haltung des Betrachters. Die Landschaft ist kein Objekt, sondern ein Mitakteur – sie antwortet auf Wahrnehmung.

Zen-buddhistisch gedacht verhandelt Afterimage 9 das Verhältnis von Leere und Fülle. Die linke Seite nähert sich dem Zustand des mu – der absichtslosen Offenheit –, während die rechte Seite das Übermaß an Information, Farbe und Bewegung zeigt, das dennoch nicht zur Klarheit führt. Beide Zustände sind gleichwertig; Bedeutung entsteht nicht aus Intensität, sondern aus Aufmerksamkeit.

Medienkritisch verweist das Werk auf unsere gegenwärtige Bildkultur, in der dieselbe Realität je nach Filter, Algorithmus oder Kontext radikal unterschiedlich erscheint. Afterimage 9 zeigt kein Vorher und Nachher, sondern ein Nebeneinander konkurrierender Wirklichkeiten. Für Taketo Muroi ist dieses Nachbild kein Fehler des Sehens, sondern dessen eigentliche Wahrheit: Wahrnehmung ist stets instabil, relational – und niemals abgeschlossen.

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