AI - EDITION BERLIN
Taketo Muroi - Afterimage 8
Taketo Muroi - Afterimage 8
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Technik: Promptography auf Hahnemühle Fine Art Papier
Bildgröße: 30 x 30 cm
Auflage: 3 + 1 A. P.
Jahr: 2025
Afterimage 8
Afterimage 8 setzt innerhalb der Serie einen besonderen Akzent, indem es die Frage nach dem Fortwirken historischer Figuren und kollektiver Bilder aufnimmt. Die Arbeit ist erneut zweigeteilt, doch diesmal wirkt die linke Bildhälfte fast ikonisch: eine fragmentierte, stehende Figur, in ein goldenes, an sakrale Gewänder erinnerndes Material gehüllt. Der Körper scheint aus einer dunklen, fließenden Masse aufzusteigen, als wäre er zugleich getragen und gebunden. Die Figur ist unvollständig, anonymisiert, ihres Gesichtes beraubt – mehr Erscheinung als Person.
Die rechte Bildhälfte konfrontiert diese beinahe spirituelle Präsenz mit einer harten, konstruierten Bildarchitektur. Überlagerte Flächen, Schnitte, digitale Farbblöcke und Leerstellen erzeugen ein visuelles Feld, das an Datenfragmente, Archivreste oder beschädigte Speicher erinnert. Geschichte erscheint hier nicht als Erzählung, sondern als Schichtung: brüchig, unvollständig, technisch vermittelt.
Im Zusammenspiel beider Seiten entsteht ein Nachbild einstiger Heldenfiguren der japanischen Geschichte – Samurai, spirituelle Führer, symbolische Autoritäten –, deren Bedeutung sich im Laufe der Zeit verschoben hat. In der japanischen Kultur ist der Held traditionell weniger triumphale Figur als vielmehr Träger von Pflicht, Vergänglichkeit und Opfer. Afterimage 8 reflektiert diesen Wandel: Die Figur bleibt, aber ihre narrative Klarheit ist verschwunden. Was übrig bleibt, ist ein energetischer Abdruck.
Animistisch gelesen besitzt auch diese Figur weiterhin eine Wirksamkeit. Sie ist kein totes Relikt, sondern ein Speicher von Erfahrung, Erinnerung und moralischer Spannung. Gleichzeitig verweist die rechte Bildhälfte auf die mediale Übersetzung dieser Vergangenheit: Geschichte wird heute nicht mehr über Rituale, sondern über Bildsysteme, Archive und Algorithmen erinnert – und dabei unweigerlich verzerrt.
Zen-buddhistisch gedacht thematisiert die Arbeit das Loslassen fester Bedeutungen. Der Held löst sich vom Mythos, wird Teil eines offenen Feldes von Wahrnehmung. Für Taketo Muroi ist dieses Nachbild kein Verlust, sondern ein Zustand produktiver Leere: ein Raum, in dem Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern weiter wirkt – leise, fragmentiert und jenseits eindeutiger Deutung.
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