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AI - EDITION BERLIN

Taketo Muroi - Afterimage 6

Taketo Muroi - Afterimage 6

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Technik: Promptography auf Hahnemühle Fine Art Papier
Bildgröße: 45 x 30 cm
Auflage: 3 + 1 A. P.
Jahr: 2025

Afterimage 6

Afterimage 6 vertieft die innerhalb der Serie entwickelte Bildlogik und führt sie in einen stilleren, beinahe kontemplativen Zustand über. Die bereits bekannte horizontale Schichtung des Bildes – ein wiederkehrendes Strukturprinzip in Murois Afterimage-Arbeiten – wird hier zum Träger einer philosophischen Lesart, die sich explizit auf japanischen Animismus und Zen-Buddhismus beziehen lässt.

Die obere Bildzone zeigt eine verlassene, scheinbar neutrale Landschaft: Asphalt, Pfützen, Zäune, vereinzelte Laternen. Alles wirkt funktional, entleert, auf Abstand gehalten. Diese Welt ist klar, kühl und kontrolliert – eine Oberfläche moderner Ordnung. Doch bereits die spiegelnde Wasserfläche unterbricht diese Rationalität. Sie verdoppelt den Raum, verzerrt ihn, macht ihn instabil. Wahrnehmung wird hier nicht bestätigt, sondern verunsichert.

In den unteren Bildschichten beginnt sich das Bild aufzulösen. Die Landschaft kippt in sedimentartige Ablagerungen aus Farbe, Textur und Fragmenten. Was eben noch Abbild war, wird zu Material. Diese Zone erinnert weniger an Fotografie als an Erdschichten, an Ablagerungen von Zeit. In der Logik des japanischen Animismus – in dem auch unbelebte Dinge, Orte und Materialien als beseelt gelten – erscheint diese Transformation folgerichtig: Die Landschaft ist kein Objekt, sondern ein Zustand, der sich verändert, erinnert und antwortet.

Zen-buddhistisch gelesen verweigert Afterimage 6 jede eindeutige Bedeutung. Das Bild bietet kein Zentrum, keinen Fokus, keinen narrativen Halt. Stattdessen lädt es zur stillen Betrachtung ein. Die Übergänge sind entscheidender als die Formen, das Dazwischen wichtiger als das Abgebildete selbst. Wahrnehmung wird als Prozess erfahrbar – flüchtig, nicht fixierbar, stets im Wandel.

Im Kontext der medienkritischen Praxis von Taketo Muroi wird diese Arbeit zu einer Reflexion über digitale Bilder im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Das Bild ist hier weder reine Simulation noch dokumentarischer Beweis. Es ist ein Nachbild im philosophischen Sinn: ein Rest, eine Spur, ein Echo von Wahrnehmung.

Afterimage 6 formuliert damit eine leise, aber präzise Kritik an der westlichen Vorstellung von Bildkontrolle und Eindeutigkeit. Das Werk schlägt stattdessen eine Haltung vor, die im Akzeptieren von Unschärfe, Vergänglichkeit und Übergang ihre ästhetische wie ethische Kraft entfaltet.

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