AI - EDITION BERLIN
Taketo Muroi - Afterimage 4
Taketo Muroi - Afterimage 4
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Technik: Promptography auf Hahnemühle Fine Art Papier
Bildgröße: 45 x 30 cm
Auflage: 3 + 1 A. P.
Jahr: 2025
Afterimage 4
Afterimage 4 führt die serielle Logik der Werkgruppe konsequent fort und schärft zugleich den Blick auf die inhaltliche Differenz der beiden Bildhälften. Die Zweiteilung fungiert hier weniger als formales Mittel denn als analytisches Instrument, mit dem Taketo Muroi zwei grundlegend verschiedene Bildzustände gegenüberstellt.
Die linke Bildseite zeigt ein dichtes Geflecht aus Linien, Spuren und farbigen Überlagerungen. Grün-, Violett- und Cyan-Töne durchziehen das Bild wie elektrische Ströme oder kartografische Markierungen. Die Linien scheinen weder Anfang noch Ende zu besitzen; sie erinnern an neuronale Netze, an Datenströme oder an Bewegungsaufzeichnungen ohne Körper. Dieses Bildfeld wirkt instabil, prozesshaft und zeitlich offen – ein visuelles Protokoll algorithmischer Aktivität, in dem Wahrnehmung nicht fixiert, sondern permanent neu berechnet wird.
Dem gegenüber steht die rechte Bildhälfte mit einer deutlich ruhigeren, räumlich lesbaren Struktur. Transparente Flächen, klare Kanten und eine fast architektonische Perspektive erzeugen den Eindruck eines Innenraums oder einer installativen Situation. Die Oberfläche ist von feinen Kratzspuren durchzogen, die wie sedimentierte Zeit wirken – Spuren von Nutzung, Berührung oder Abnutzung. Lichtlinien und Reflexionen strukturieren den Raum und verleihen ihm eine fragile Tiefe, die zwischen Materialität und Illusion oszilliert.
In der Gegenüberstellung beider Seiten entsteht ein Spannungsfeld zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen abstrakter Datenwelt und physischer Erfahrung. Das linke Bild ist reines Nachbild – ein visuelles Echo von Prozessen, die sich dem menschlichen Blick entziehen. Das rechte Bild hingegen suggeriert Präsenz und Körperlichkeit, ohne diese je vollständig einzulösen. Beide Seiten bleiben Fragmente, unvollständig und voneinander abhängig.
Afterimage 4 reflektiert damit die Bedingungen zeitgenössischer Bildproduktion: Bilder entstehen nicht mehr als abgeschlossene Einheiten, sondern als Übergangszustände zwischen Berechnung, Wahrnehmung und Erinnerung. Das Nachbild ist hier kein Rest, sondern der eigentliche Zustand des Bildes – ein Schwebezustand zwischen dem, was war, und dem, was sich erst im Sehen formt.
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