AI - EDITION BERLIN
Taketo Muroi - Afterimage 10
Taketo Muroi - Afterimage 10
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Technik: Promptography auf Hahnemühle Fine Art Papier
Bildgröße: 45 x 30 cm
Auflage: 3 + 1 A. P.
Jahr: 2025
Afterimage 10
Afterimage 10 bildet einen der komplexesten Knotenpunkte innerhalb der Serie. Die streng zweigeteilte Komposition fungiert hier nicht nur als formales Prinzip, sondern als epistemische Schwelle zwischen sozialer Erfahrung und abstrakter Bildordnung.
Die linke Bildhälfte zeigt eine Gruppe von Menschen in einem architektonisch offenen Raum. Ihre Körper erscheinen als dunkle Silhouetten, eingefroren in einem Moment des Übergangs: Stehen, Gehen, Warten. Die pink-violette Lichtstimmung taucht die Szene in eine künstliche Atmosphäre, die an Ausstellungsräume, temporäre Installationen oder urbane Zwischenzonen erinnert. Spiegelungen auf dem Boden und an den Wänden vervielfachen die Figuren, lösen individuelle Konturen auf und lassen die Körper Teil eines größeren Wahrnehmungsfeldes werden. Präsenz ist hier relational – der Einzelne existiert nur im Geflecht aus Raum, Licht und anderen Körpern.
Demgegenüber steht die rechte Bildhälfte als radikale Abstraktion derselben Situation. Vertikale, säulenartige Formen scheinen aus einer flüssigen, geschichteten Oberfläche aufzutauchen. Farben verlaufen horizontal, als wären sie sedimentierte Zeitspuren oder verzerrte Datensätze. Die Architektur wirkt hier entmaterialisiert: Sie ist nicht mehr gebaut, sondern berechnet. Raum entsteht nicht durch Wände, sondern durch Schichtung, Transparenz und Wiederholung.
In der Logik des japanischen Animismus lässt sich diese Teilung als Übergang vom belebten sozialen Raum zum beseelten Material lesen. Auch das Abstrakte ist hier nicht tot – Farbe, Licht und Struktur besitzen eine eigene Wirksamkeit. Die Säulen sind keine Objekte, sondern Zustände, Träger einer unsichtbaren Präsenz. Zen-buddhistisch betrachtet verweist das Werk auf die Auflösung des Dualismus von Subjekt und Objekt: Der Mensch auf der linken Seite und die Struktur auf der rechten sind keine Gegensätze, sondern unterschiedliche Manifestationen derselben Wirklichkeit.
Medienkritisch reflektiert Afterimage 10 die Transformation von Gemeinschaft im digitalen Zeitalter. Soziale Erfahrung wird zunehmend von algorithmischen Räumen überlagert, übersetzt, abstrahiert. Begegnung hinterlässt ein Nachbild – nicht als Erinnerung, sondern als Datenstruktur. Was bleibt, ist kein eindeutiger Ort, sondern ein schwebender Zustand zwischen physischer Anwesenheit und medialer Repräsentation.
Für Taketo Muroi ist dieses Nachbild kein Verlust, sondern ein Symptom unserer Gegenwart: Wahrnehmung ist fragmentiert, relational und instabil. Afterimage 10 zeigt nicht, was wir sehen, sondern wie sich Sehen heute formt – im Spannungsfeld zwischen Körper, Raum und algorithmischer Ordnung.
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